Soeur Sourire – Schwester des Lächelns
6. Oktober 2008
Personen
Mangels wirklicher Geburtstage am 6. Oktober, haben wir uns dazu entschlossen als Ausweichplan, eine tragische Geschichte aus der Musikwelt zu veröffentlichen.
Unsere Person, die wir heute vorstellen ist Jeanine Deckers und Jeanie wurde am 17. Oktober 1933 in Wavre bei Brüssel geboren. Wir sind über Sie bei Recherchen zum Eurovision Song Contest gestolpert und finden Ihre Geschichte wirklich tragisch.
Jeanine wurde als ältestes von vier Kindern des Ehepaars Lucien und Gabrielle Deckers geboren. Geheiratet hatten die Deckers im Jahr 1932 und flohen im Jahr 1939 mit ihren vier Kindern Jeanine, Hubert, Edgard und Madline nach Frankreich wo ihr Vater Mitglied der Résistance wurde um gegen die Besatzer zu kämpfen.
Die Deckers kehren nach dem Kriegsende nach Brüssel zurück und nach Jeanines kehrt nach ihrer Schulzeit im Jahr 1953 wieder nach Paris zurück um die “Sisters of St. Mary Academy” zu besuchen. Weitere Spuren führen von der Kunstschule für Mädchen zu einer Mädchenoberschule in Brüssel wo Jeanine als Zeichenlehrerin arbeitet.
An ihrem 25. Geburtstag sollte sich für Jeanine jedoch die Welt ändern. An jenem Tag entschließt sie sich Jeanine, in dem “Fichermont Convent” einem in der Nähe Waterloo gelegenen Kloster des Dominikanerordens einzutreten.
Man sagt, Janine habe die Gitarre mit in das Kloster gebracht ohne sie spielen zu können. Andere wiederum sagen, Jeanine habe schon vorher Lieder geschrieben und diese mit ihrer Gitarre in das Kloster gebracht. Verbürgt ist jedoch nur der Umstand, dass sich Glaubensschwestern dafür eingesetzt haben, Aufnahmen von Jeanins Musik zu machen.
Mit dem missionarischen Gedanken werden so die ersten Pressungen von Jeanins Musik erstellt und im Jahr 1961 unter dem Namen “Gesänge des Lichts” veröffentlicht. So zeigen die ersten Aufnahmen auch Blumen und Details des Klosters auf ihren Covern.
Ihre Lieder haben meist einen christlichen Fokus und so heißen sie auch, “Kabinda mein kleiner Freund aus Afrika”, “Hallelujah”, “Das Herz des Herren” und “Dominique”. Ihr erfolgreichster Song “Dominique” ist eine Widmung an den Ordensgründer Demenikus der im Jahr 1215 den Dominikanerorden gegründet hatte und heillig gesprochen wurde.
Auch wenn die meisten Lieder von Jeanine nach außen hin fröhlich und optimistisch klingen sind diese doch eher ein Zeugnis über den tristen Klosteralltag und künden von Einsamkeit und Glaubenszweifeln. In den Ohren der Mutter Oberin sind diese Dinge störend und so sind die fröhlichen Weisen ihr bald ein Dorn im Auge.
Schwester “Luc-Gabrielle” wie sich Janine jetzt nennt tritt nach außen nicht in Erscheinung. Vorwiegend möchte sie im Hintergrund bleiben um von der christlichen Botschaft ihrer Lieder nicht abzulenken. So nennt sich Jeanine “Soeur Sourire” und ihre Gitarre “Soeur Adèle” um mit ihre Persönlichkeit nicht in Erscheinung zu treten.
Durch ihrem Erfolg kommt es nach dem Druck der Öffentlichkeit zu einem Bild von Janine. Erst durch Zeichnungen von Gitarren spielenden Nonnen, dann mit Gruppenfotos von ihr und den mitsingenden Schwestern.
In einem Interview gibt Janine an, dass ihre Vorbilder die großen Sänger des fanzösischem Chansons sind und dass im Kloster Radio und Platten gehört würden und zu besonderen Anlässen auch einmal ein Fernseher ausgeliehen würde. “Man muss die Welt kennen die man bekehren will”.
So entstehen über 30 Chansons die Jeanine und ihre Schwestern einsingen und die zu zahlreichen Veröffentlichungen führen. Mit dem Erfolg von “Dominique” sind jedoch alle überrascht und das Lied hält sich in Belgien 12 Wochen auf Platz 1 und ist in den englischen, amerikanischen und deutschen Charts. “Dominique” verdrängt sogar das legendäre “Louie Louie” auf Platz 2 der der amerikanischen Charts. Dieser unglaubliche Erfolg eines “Anti-Hits” beeindruckt Hollywod dermaßen, dass sie einen Film über die singenden Nonnen machen. Das Ergebnis ist der 1965 veröffentlichte Film “The singing Nun”.
Im Kinofilm in dem Janine von Debbie Reynolds gespielt wird Janine als Moterroller fahrende moderne Nonne dargestellt, die auch Romanzen zugeneigt ist. Diese Darstellung entsprach weder dem Klosterleben noch der Vorstellung von Janine. Gerade zu dieser Zeit nehmen auch die Störungen der Reporter und der Presse überhand. Schließlich entschließt sich die Klostervorsteherin dem “wilden Leben” ein Ende zu bereiten und mit dem Verdikt “Man habe sich zu viele Freiheiten herausgenommen” kündigt sie das Ende der Plattenkarriere an. Diese Entscheidung muss der Oberin wahrlich schwer gefallen sein, denn 80 Prozent der Einnahmen aus den Plattenverkäufen kamen direkt dem Orden zu gute. Wie sich die restlichen 20 Prozent mit einem Amutsgelübte vereinbaren lassen, müssen Sie eine Nonne fragen.
Zu dieser Zeit ist Jeanine allerdings alles andere als fügsam und so verlässt Sie im Sommer 1966 das Kloster. Unter der Bedingung den Namen “Soeur Sourie, Missionsschwester des Dominikanerklosters Fichermont bei Waterloo” abzulegen wird sie schließlich in den Laienstand entlassen.
Weitere Platten oder Singles müssen fortan unter dem Namen “Luc Domenique” veröffentlicht werden. Ihre nächste Veröffentlichung mit dem Titel “Ich bin kein Star” ist schließlich auch schon fast die Wahrheit. Mit dem Auftreten neuer Musikrichtungen wird die kirchliche Botschaft auch schon bald nicht mehr gehört. Die Jugend findet Mädchen in Miniröcken und Pumps schlick und kann nur vier Jahre später nichts mehr mit Schwestern in Trachten anfangen.
Ändern am Abstieg kann auch dass nicht, dass Jeanine sich mit streitigen Themen wie zum Beispiel der Antibaby Pille beschäftigt. In Interviews steht sie zu ihrer Meinung und erklärt, dass die Pille für die Frau das vernünftigste sei. Auf die Frage was sie vom Beatles Zitat hält, das sie bekannter als Jesus seien entgegnete sie nur trocken, “General de Gaulle” ist in der Welt bekannter als Jesus. Ob das stimmt können wir nur annehmen. Jenseits von Europa nimmt das Interesse an französischen Präsidenten doch rapide ab.
In einem weiteren Interview sagt sie dass sie es gut finde, dass protestantische geistliche heiraten dürfen und weiter, wer weiß was die Zukunft bringt ob sich die Mitglieder des Dominikaner Ordens in Zukunft heiraten dürfen? Auf die Frage ob sie das Fehlen starker Männer in ihrem Leben ins Kloster geführt hätte entgegnete sie, sie hätte nichts gegen die Ehe doch alle Ehen die sie kennen würde wären depremierend und würden sich an einem Punkt der Stagnation befinden. Weiter hätte es auch nicht funktioniert wenn sie ihren Freund geheiratet hätte, ihm würde der Sinn für Abenteuer fehlen. Auf die Frage nach dem Abenteuer entgegnete sie, nicht dass ich große Taten vollbringen will, ich meine damit das Leben an sich. Die richtigen Fragen zu stellen ohne die Antworten zu kennen.
Im Jahr 1970 tritt sie nicht mehr auf einer Bühne auf und gesteht sich auf dieser immer sehr unwohl gefühlt zu haben. Für die “Ed Sullivan” Show nahm Jeanine 1964 ein Promotion-Video auf, dass erst ein Jahr später gezeigt werden konnte nachdem sich die Mutter Oberin zuerst dagegen sperrte. So ging Jeanine noch einmal in Amerika auf Tournee. Es sollte das Ende ihrer Karriere sein.
Jeanine gesteht während ihres großen Erfolges alkohol- und tablettensüchtig gewesen zu ein und zieht sich ins Privatleben zurück dass sie mit ihrer Lebensgefährtin “Annie Pécher” teilt. Jeanine hat die zehn Jahre jüngere wahrscheinlich im Kloster kennen gelernt.
Jeanine nimmt derweil Kinderlieder auf und überlebt mit Gitarren- und Zeichenunterricht. Selten taucht ihr Namen in der Presse auf und wenn dann meist mit negativen Schlagzeilen. Gegenüber den Finanzamt sollte Jeanine belegen wo die Millionenerlöse aus Domenique und die Tantiemen für die Filmvorlage geblieben sind. Die gutgläubige Jeanine hat jedoch keine Spendenquittung von der Mutter Oberin eingefordert und so versucht sie diese nachträglich aufzutreiben.
Nicht dass sie eine Quittung über ihre bisherigen Spenden bekommen hätte, nun verklagt das Kloster anderseits Jeanine darauf ihm noch Geld zu schluden, sie verliert und bleibt auf einem sechstelligen Schuldenberg sitzen. Das nennen wir eine Reife Leistung für Betschwestern im Bettelorden, die auf jeden materiellen Wert verzichten.
Der Schuldenberg wird durch das von Annie und Jeanine geründete Heim für autistische Kinder immer größer und so bricht es unter der Schuldenlast im Jahr 1980 zusammen. Um sich gegen ihre vielen Gläubiger zu erwehren ist Jeanine dazu gezwungen im Jahr 1982 eine Dicoversion ihres einstigen Hits Dominique aufzunehmen. Obwohl sie sogar wieder unter ihrem einstigen Namen “Soeuner Surire” stellt sich der ehemalige Erfolg trotz Video Untersützung nicht mehr ein.
Am 30. März 1985 ist es dann soweit. Die beiden total verarmten Frauen sind in tiefen Depressionen und begehen in der Nähe von Brüssel im 25 Kilometer entfernten Wavre mit in Cognac aufgelösten Schlaftabletten Selbstmord. Mit zittriger Schrift findet man einen Abschiedsbrief in dem geschrieben steht, “Wir sind am Ende – finanziell und moralisch. Wir haben keine Ideale mehr, nur noch Gott. Aber das macht uns nicht satt. Wir kehren zum Herrn zurück”.
Ihre Möbel und Küchengeräte haben die beiden wohlgeordnet mit Etiketten versehen wer von ihren Bekannten und Freunden was erhalten solle nach ihrem Tod. Bei der Vollstreckung des Nachlasses beeindruckt dieser letzte Wille der Frauen weder den Staat noch das Finanzamt. Ihrer Bitte in einem Grab beigesetzt zu werden entspricht die Kirche und somit zeigt sich wenigstens einer der Schuldigen räuig.
Soeur Sourire ist französich und bedeuted Schwester des Lächelns. Von ihrem Lächeln blieb ihr am Ende nicht mehr viel und so möge sie nun in frieden Ruhen.
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