Interview Edwin Schaap
27. November 2008
Personen
Vor einiger Zeit haben wir in einem Artikel eine Animation auf Youtube vorgestellt und haben uns gefragt, welche Geschichte hinter der Geschichte ist und Sie werden sich wundern.
Wir haben mit dem 3D Künstler Edwin Schaap ein Interview geführt und wenn Sie sich je gefragt haben, welche Menschen das wohl sind, die diese lustige Filme bei Pixar animieren, Edwin Schaap könnte einer von diesen Menschen sein. Wir bedanken uns für dieses ausführliche Interview und dafür, das uns Edwin Schaap auf jede noch so komische Frage eine passende Antwort gegeben hat.
F: Hallo Edwin, wie alt bist du?
A: Ich bin 19 Jahre alt und bin im April 1989 geboren.
F: Wo bist du aufgewachsen?
A: Aufgewachsen und geboren bin ich in in der kleinen Stadt Wanroij, Holland mit circa 3000 Einwohner.
F: Wann hattest du den ersten Kontakt mit einem Computer?
A: Hm, ich glaube, ich war 9 Jahre alt also so in etwa vor 10 Jahren. Das war damals ein kleiner Amiga mit einem Diskettenlaufwerk.
F: Was war denn deine erste Grafik und wie war das?
A: Ohhh, das ist eine wirklich schwere Frage, lass mich einen Moment überlegen, angefangen hat das ganz anders, zuerst hatte ich nämlich mit 14 oder 15 Jahren, erst mal eine Videokamera und mit dieser habe ich mich beschäftigt. Ich würde das jetzt mal so beschreiben, ich machte “meine” Version von Spiderman, dem Exorzist und “Christmas Carol”. Die Filme waren zwischen 10 und 30 Minuten lang und in jedem einzelnen Film habe ich alles allein gemacht. So sind natürlich auch alle Darsteller nur ich… das ist jedenfalls sehr lustig..!
Robby
F: Auf welcher Schule kann man denn so etwas lernen? Was für einen Abschluss hast du?
A: Ich bin jetzt im letzten Jahr auf dem Koning Willelm 1 College und es ist meine erste Schule, im Bereich Art und Design. Meine Ausbildung ist Animations Spezialist… aber das hört sich besser an als das ist, ein paar kleine 3D Animationen und 2D Zeugs, einfache Sachen halt. Nach der Schule werde ich weiter auf die Schule gehen, Hogeschool van de Kunsten Utrecht, für nochmal vier Jahre.
F: Was willst du nach der HKU Schule machen?
A: Wenn ich mit der HKU fertig bin, also so in etwa 5 Jahren, bin ich so weit, meine eigene Firma zu gründen.
F: Ist das eine schwierige Sache mit der Schule? Musst du viel lernen?
A: Ich will das jetzt mal so formulieren. Auf dieser Schule wartet man nicht darauf, dass einem jemand etwas beibringt, du musst motiviert sein und es dir selbst beibringen.
F: Was sind denn deine Vorstellungen für die nächsten Jahre?
A: Lernen, lernen, lernen. Ich möchte mehr Fakten über Animationen, Effekte und Filme machen lernen. Und dann meine eigene Firma gründen.
F: Wie bist du denn auf die Idee gekommen Robby den Wurm zu animieren?
A: Robby war ein Projekt für die Schule, er entstand aus der relativ einfachen Aufgabe, mache etwas für deine Referenzen.
So entstand dann Robby aber zum Film kam es etwas anders. Am Anfang dieses Jahres hatte ich eine ziemlich durchgeknallte Idee, ich mache einen 3D Film aus dem Wurm. Ich machte einige Zeichnungen und Sketche und entschloss mich, Robby wieder zur Seite zu legen. Als ich dann die Aufgabe bekam, etwas in 3D zu realisieren, dachte ich mir, dass ist Robbys große Chance.
Während eines Frankreich Urlaub machte ich mich daran einige Sketche zu überarbeiten und am Storyboard zu arbeiten. Danach erstellte ich das Storyboard und alles was ich mir so gedacht habe, in 3D.
F: Wie kam es denn zum anderen Film, mit dem UFO?
A: Das mit dem UFO ist eine ganz andere Geschichte, das UFO entstand während eines Praktikums bei IVORM. Wenn ich da nicht 20 Wochen gewesen wäre, in meinem Praktikum, dann hätte ich Filme wie Robby und UFO nicht realisieren können. Ich habe da wirklich viel gelernt.
UFO’s
F: Hat dir irgendwer bei einem Film geholfen?
A: Nein… alle mögen was ich mache aber irgenwie hält sich jeder bei der Arbeit zurück. Ah, meine Freundin hätte ich beinahe vergessen und ein wenig Hilfe aus dem Internet aber Tipps und Arbeit sind durchaus nicht das Selbe. Meine Freundin hat zum Beispiel die Musik für die Filme ausgesucht.
F: Wo hast du denn die Ideen für die Filme her?
A: Ich und meine Freundin lieben Filme und aus den Filmen ist auch die ganze Inspiration, für meine Arbeit.
F: Unterstützt dich deine Freundin?
A: Natürlich, sie kann sehr gut zeichnen und ist sehr kreativ, wirklich eine Bereicherung. Irgendwann machen wir zusammen tolle Filme und Grafiken, in meiner eigenen Firma, hoffe ich.
F: Sieht Robby wie ein Haustier aus von dir? Wie ein Hund, Katze oder Hase… oder irgendwas?
A: Nee, nicht wirklich. Ich hatte zwar mal einen Papagei aber der wird wenn überhaupt, in einer ganz anderen Geschichte auftauchen. Ich denke schon seit dem ich 12 bin daran aber bis jetzt habe ich keinen Film über Chico den Papagei machen können. Vielleicht in der Zukunft, mal sehen.
F: Wie lange hast du denn für Robby gebraucht?
A: Eine Einstellung von Robby, hat in etwa einen Abend gebraucht und ich habe versucht in etwa jeden Abend eine fertig zu machen. Insgesamt sind in Robby circa 60 Einstellungen.
Ich habe nach der Schule daran gearbeitet und über Nacht und dann wenn ich in der Schule war den Rechner arbeiten lassen. Der Rechner hat dann 5 bis 9 Minuten an einem Bild gerechnet. Die Postproduktion hat nicht lange gedauert. Pro Einstellung, in etwa eine weitere Stunde am Tag. Das war auch nur dazu da, um alles etwas schöner zu machen.
F: Was sagt deine Familie zu deinen Filmen?
A: Sehr schön! Ausgezeichnet. Irgendwie ist das schon lustig, dass sie jedem von Robby erzählen und jeder muss den Wurm sehen, ob er nun will oder nicht… Ich bin meistens auf meinem Zimmer und kann ihnen zeigen was ich so treibe.
F: Hast du irgendwann über eine Karriere in Hollywood nachgedacht?
A: Ja, als ich 12 war, habe ich nur das… Mein meist verwendetes Wort war eindeutig Pixar. Meistens ging es bei mir nur Pixar, Pixar… PIXAR!
F: Wenn du einem Kind den Rat geben müsstest wie es mit Film und Animation anfangen soll, was würdest du sagen?
A: Wenn du es wirklich willst, dann mach es! Lerne, lerne, lerne! Warte nicht auf ein Studium oder irgendeine Schule, mach es einfach.
F: Unter welchen Betriebssystem arbeitest du? Windows, Linux oder Mac OS?
A: Ich arbeite unter Windows Vista. Ich weiß, dass Mac OS wirklich schick und ausprobieren würde ich das durchaus mal aber gerade läuft eben Vista.
F: Mit was für einem Rechner arbeitest du gerade?
A: Seit kurzem mit einem schnelleren… Jetzt hab ich einen Rechner mit einer 1000GB HDD, 8 GB RAM und 2 Intel Quad CPU und Windows Vista 64 Bit. Irgendwo muss man soviel Rechenleistung verbraten können…(Scherz der Redaktion)
F: Hast du schon von Blender gehört?
A: Ja und das ist wirklich super, das diese Software nichts kostet und damit Filme wie Big Buck Bunny animiert werden können. Sollte ich mal etwas Zeit haben, sehe ich mir die Software genauer an.
Big Buck Bunny
F: Was sind denn deine Lieblingsfilme?
A: Was für eine Frage, alle Filme von Pixar natürlich! (Wir machen hier keine Schleichwerbung, hat er wirklich so gesagt)
Louis the Frog
F: Würdest du am Film “Batman – The Dark Knight” anders machen wenn du den Film mit Animationen versehen würdest?
A: Ich mag den Film so wie er ist. Die schauspielerische Leistung des Jokers (Heath Ledger) ist beeindruckend. Finden wir auch, hoffentlich bekommt er einen Oscar dafür.
Batman braucht nicht unbedingt Animationen, es geht hauptsächlich um den Film und weniger um die Effekte. Vielleicht noch ein Paar LKWs die über die Straße fliegen oder sowas..!
Uns kommt diese Geschichte sehr bekannt vor, erst kürzlich haben wir über einen Regisseur geschrieben, der mit seltsamen Filmen bekannt wurde und später jede Menge Oscars einheimste. Wie sie kennen Peter Jackson nicht, dann müssen Sie den Artikel sofort nach dem Interview lesen.



Edwin ist nicht nur ein großartiger Künstler, sondern auch ein netter, humorvoller und bescheidener Mensch.
Nachdem eine deutsche Tageszeitung “Robby” auf youtube als “Mobil-Tipp” vorstellte, und ich Edwin eine Ausgabe der Zeitung sowohl als pfd als auch in papierform zukommen ließ, (nachdem ich ihm bereits eine Kopie des Berichtes mit Übersetzung schickte) wollte er mich für meine Mühen sogar bezahlen.
Als ich dankend ablehnte, kam folgende Nachricht:
“Hahaha, Thank you very much!
You are great! If I win an oscar,
I will call your name
again: Thanks,
Regards,
Edwin Schaap”
Es ist mir eine Ehre ihn (wenn auch nur per EMail und als “youtube-Freund”) kennen zu dürfen.
Ich kann an dieser Stelle nur wiederholen was ich auch Edwin selbst schrieb:
> Newspaper as pdf-File ……. € 0,30
> Envelop/Package .……………€ 0,30
> Porto/Stamps ……………….€ 2,00
> To tell everybody you know the great and famous artist Edwin Schaap
> and he’s your friend at YouTube
> ….. PRICELESS
> —-
> You see ? To say “The artist who created ‘Robby’ ? I know him of
> course. He sent some e-mails to me …” is unpayable.
In diesem Sinne…
Redaktion: Ich weiß was du sagen willst, wir sprechen ja öfter mit jungen Künstlern und Edwin Schaap ist wirklich ein sehr angenehmer Mensch. Solche Menschen können erfolgreich sein und in Spielbergs oder Jacksons Fußstapfen treten, würde mich freuen ihn schon so früh entdeckt zu haben, bevor eine Zeitung das bemerkt hat…
und er dann richtig erfolgreich wird.